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Fischfluss Canyon als gefährliche Falle - 26.09.05
Ein Todesopfer und tiefe Trauer bei den Hinterbliebenen
hat der Ausflug eines deutschen Touristen in den Fischfluss
Canyon im Süden Namibias gekostet. Am 9. September
um 10.00 Uhr morgens stieg ein Gast der Cañon
Lodge am so genannten 'Hiker's Point' nahe des Hauptaussichtspunktes
in die mehr als 500 m tiefe Schlucht. Ohne Wasser. Trotz
deutlich sichtbarer Verbotsschilder. Und obwohl die
Gastbetreuer der Lodge stets auf das Verbot hinweisen
und davor warnen, es zu missachten. Seine Frau blieb
oben zurück. Unten im Canyon traf der 63-jährige
eine Wandergruppe, die später beobachtete, wie
er wieder aufstieg. Das war das letzte Mal, dass er
lebend gesehen wurde. Oben wartete seine Frau bis zum
Abend auf ihn - vergeblich. |
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Am
kommenden Morgen begann sofort eine umfassende Suchaktion.
Erst stieg ein erfahrener Naturschutzbeamter
hinab, um nach den Spuren des Mannes zu suchen; dann
durchkämmten Mitarbeiter von Naturschutz
und Gondwana Cañon
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Park,
Polizisten und Soldaten das zerklüftete Gebiet.
40 Mann waren im Einsatz, ein Hubschrauber flog
den Canyon ab. Ohne Erfolg. Nach neun Tagen wurde
die Suchaktion abgebrochen. Die Chancen, den Vermissten
lebend zu bergen, waren schon nach drei Tagen
äußerst gering - bei Tagestemperaturen
von über 40 Grad. "Das ist das erste
Mal, dass wir einen Vermissten nicht gefunden
haben", sagt Patrick Lane, der Hauptaufseher
der staatlichen Naturparks im Süden Namibias
(Chief Control Warden for Southern Parks of Namibia).
"Der Mann ist beim Aufstieg vom Pfad abgekommen.
Wir haben Spuren von ihm gefunden, die sich aber
auf dem Felsboden wieder verloren haben",
stellt Lane fest. "Vielleicht ist er an einer
steilen Stelle abgestürzt, hat sich verletzt
und ist unter einen Felsen gekrochen."
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Eines der vielen Verbotsschilder am Rande des Fischfluss Canyons, die nicht zu übersehen sind, aber oft ignoriert werden. |
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Die Kosten
für die Suchaktion werden auf mehr als 240.000
N$ (etwa 30.000 Euro) geschätzt. Etwa die Hälfte
davon entfällt auf Hubschrauber und Rettungsdienst
und wird von der Frau des Verschollenen getragen. Die
andere Hälfte umfasst den Einsatz von Naturschutz
und Gondwana Cañon Park, Polizei und Armee sowie
die Verpflegung der Rettungskräfte durch die Cañon
Lodge und werden vom Staat und Gondwana getragen. |
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Wenn man die Gefahr erkennt, ist es oft zu spät
Der deutsche Tourist ist nicht das erste Todesopfer.
Im Februar 2001 war ein junger Franzose vom Pfad abgekommen
und abgestürzt. Seither ist der Abstieg in den
Canyon für Tagesbesucher verboten; wer sich darüber
hinweg setzt und erwischt wird, zahlt eine Strafe von
300 N$ (etwa 37 Euro). Doch viele Besucher nehmen die
Strafe in Kauf und das Verbot nicht ernst. Sie überschätzen
sich und ignorieren die Gefahr. Denn der Abstieg fällt
relativ leicht, es ist meist noch kühl und man
erkennt von oben deutlich den Pfad. Ganz anders dann
der Aufstieg fast zwei Stunden später: Man muss
sich mehr anstrengen, die Sonne steht höher und
heizt das Gestein auf, man schwitzt, wird durstig, und
sieht an felsigen Stellen den Pfad nicht. Wenn man die
Gefahr erkennt, ist es zu spät. |
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Erinnerung an den Verschollenen, angebracht von seiner Frau auf der Rückseite des Verbotsschildes am 'Hiker's Point'. |
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Die Erfahrung
zeigt, dass Verbote und Strafen wenig helfen. "Wir
müssen im Fischfluss Canyon immer wieder nach Vermissten
suchen", seufzt Patrick Lane. Schon seit längerem
wird daher darüber nachgedacht, Tageswanderungen
mit einem erfahrenen Führer in den Canyon anzubieten.
Doch ob und wann die Pläne Gestalt annehmen, ist
noch unklar. |
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Bis dahin jedoch
gilt weiterhin: Der Abstieg in den Canyon ist für
Tagesbesucher verboten, weil Lebensgefahr besteht. Statt
dessen empfiehlt sich, am Rande der gewaltigen Schlucht
entlang zu wandern oder einen Rundflug zu buchen. |
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Wer
partout in den Canyon steigen möchte, muss körperlich
fit sein und dafür mehr Zeit einplanen. Möglich
ist nämlich eine 80 km lange Rucksack-Wanderung,
die in vier bis fünf Tagen vom Hiker's Point nach
Ai-Ais führt. Man kann sie entweder auf eigene
Faust unternehmen (mindestens drei Personen, Buchung
bei Namibia Wildlife Resorts) oder mit Wanderführer
(Buchung beim 'Trailhopper'). Diese Wanderungen sind
nur im Winter möglich, genauer: von Mitte April
bis Mitte September, weil es im Sommer zu heiß
ist. |
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